Bad Vöslau: "Stadt in der Landschaft" Städtebaulicher Ideenwettbewerb
Bad Vöslau 2010

Städtebaulicher Ideenwettbwerb "Zentrum Bad Vöslau"

Ausgangssituation

Bad Vöslau – eine Stadt mit einer wechselvollen Geschichte. Im Spannungsfeld zwischen der Bedeutung als Kur- und Industrieort vollzog sich die Entwicklung vor allem in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts. Ihren sichtbaren Ausdruck findet diese in der gebauten Architektur, den mitunter prachtvollen bürgerlichen Villen, dem Thermalbad, dem Schloss – aber auch den ausdehnten innerstädtischen Industriearealen wie der Kammgarnfabrik und den gewerblicher Arealen der Vöslauer-Mineral.  Dieses Nebeneinander unterschiedlichster Strukturen hinterlässt einen sehr ambivalenten Eindruck. In besonderer Weise trifft dies auf das Zentrum zu.  Es dominiert die Verkehrsfunktion der Bundesstraße B 212 und damit einhergehend deren Trenn- und Barrierewirkung. Zentrale Einrichtungen und bedeutende Gebäude werden kaum wahrgenommen. Der Weg zum Schloss, dem heutigen Rathaus, führt über eine Stellpatzanlage. Leerstehende, im Verfall begriffende Gewerbekomplexe vermitteln einen desolaten Eindruck. Es fehlen wirkliche Frequenzbringer im Einzelhandel, die den innerstädtischen Standort beleben können. Die öffentlichen Räume sind belegt mit Verkehrsfunktionen für den Kfz-Verkehr. Wirkliche Aufenthalts- und Erlebnisqualitäten konnten so nicht entstehen. Anstelle eines Zentrum obwiegt der Charakter einer Durchfahrtsstraße  mit angrenzenden Geschäftssnutzungen sowie öffentlichen Einrichtungen.

Die Rückgewinnung des Zentrums

Mit dem Bau der Umgehungsstraße und der damit verbundenen Rückstufung der Bundesstraße zur Gemeindestraße besteht die einmalige Chance, verlorene Stadtqualitäten im Zentrum der Stadt zurückzugewinnen bzw. neu zu definieren. Unter Beibehalten ihrer Erschließungsqualitäten kann der Straßenzug der Badener Straße/Wiener Neustädter Straße zu einem wirklichen räumlichen und funktionalen Rückgrat der Innenstadt Bad Vöslau´s werden. Der Fokus der Entwicklung richtet sich daher allem auf die Profilierung der öffentlichen Räume. Es geht um die Akzentuierung von Zentrumsfunktionen, um die Schaffung von Aufenthalts- und Verweilqualitäten, um die sinnfällige räumliche Vernetzung zentraler Orte, um letztlich um die Aktivierung vorhandener Standort- und Entwicklungspotenziale - insgesamt um die gestalterische/städtebauliche Akzentuierung und InWertSetzung des Stadtraumes. 

Stadt findet Platz

Der linearen Zentrumsorientierung Bad Vöslau´s werden neue Orientierungen gegeben.  Aus dem  historischen und räumlichen Kontext heraus, geben zwei Stadtplätze, der Badplatz im  Norden und der Schlossplatz im Süden, neue Orientierungen und werden zu Plattformen urbaner Stadtqualitäten und des öffentlichen Lebens. An diesen Plätzen verdichten sich die städtischen Nutzungen, entstehen neue Aufenthalts- und Erlebnisqualitäten. Geschichte, Gegenwart und Zukunft der Stadt finden neu zueinander.

Eingespannt zwischen der beeindruckenden Architektur der Therme und einer neuen Wohn- und Geschäftsbebauung auf dem derzeitig untergenutzten Parkplatzareal, wird der Badplatz im Norden zum Impuls und Signal für neue städtische Entwicklungen im Zentrum der Stadt. Der Platz wird zur räumlichen Klammer zwischen der Therme und dem sich auch überregional etablierenden Kulturareal des Kammgarnareals. Hier präsentiert sich Bad Vöslau als moderne und gleichermaßen auch traditionsreiche Kurstadt. Neue Geschäftssnutzungen säumen den Platz und bespielen seine Randbereiche. Der Platz selbst wird zur multifunktional nutzbaren Plattform für saisongebundene Aktivitäten, bietet Raum für kulturelle Veranstaltungen und Events.  Kurz- bis mittelfristig lassen sich die vorhandenen Stellplätze in die Gestaltung und Nutzung des Platzes integrieren. Langfristiges Ziel sollte jedoch sein, die Stellplätze (auch jene für die Badbesucher) in einer bauliche Anlage zu integrieren.

Über den neu gestalteten Schlossplatz wird das Rathaus nun endlich auch in den städtischen Kontext eingebunden. Über den Platz öffnet sich die Stadt zum Schloß. Die vorhandene Topografie wird zum Anlass einer spannungsvollen Annäherung. Großzügige Treppenanlagen laden ein zum Verweilen und Beobachten. Begleitende Rampen sichern eine barrierefreie Überwindung der Höhendifferenzen. Der Platz selbst wird zur Bühne des städtischen Lebens. Auf den einzelnen Terrassen bestehen vielfältige Möglichkeiten für städtische Nutzungen: vom Wochen- und Weihnachtsmarkt über außengastronomische Nutzungen und Schanigärten bis hin zu temporären kulturellen Events.

Über die in die Platzgestaltung integrierten Wasserflächen findet eine Auseindersetzung mit der Bedeutung Bad Vöslau’s als Stadt des Wassers und der Thermen statt. In dem flachen Wasserspiegel der Wasserbecken am Schlossplatz spiegelt sich die umgebende Architektur und Landschaft. Das Wasser wird zum prägenden Gestalt- und Spielelement im öffentlichen Raum der Stadt.

Neue Akzente im Kern

Das Zentrum Bad Voslau´s benötigt Raum für neue städtische Entwickungen, für zeitgemäße Angebot des Einzelhandels und der Kultur, für neue innerstädtische Wohn- und Dienstleistungsangebote. Das derzeit nicht- bzw. untergenutzte Areal der Vöslauer Mineral wie auch der Billa-Parkplatz bieten dazu den entsprechenden Raum für neue Akzente. Es geht um den Aufbau von Stadt und um die Etablierung städtischer Qualitäten. Damit einher gehen hohe Anforderungen an die Entwicklung einer entsprechenden städtebaulichen Dichte wie auch die Sicherung hoher architektonischer Qualitäten. Die Villenarchitektur der unmittelbaren Umgebung setzt dazu die entsprechenden Qualitätsstandards, die in zeitgemäßer Form zu interpretieren sein werden.

Der Entwicklungsbereich wird zum kräftigen Impuls einer Rückgewinnung und Neubestimmung der Zentrumsqualitäten Bad Voslau´s. Dies betrifft auch die Aufwertung der Bestände und die Belebung vorhandener Einzelhandelsangebote. Damit dies gelingt, dürfen die Aufwertungen nicht nur auf den zentralen Entwickungsbereich beschränkt bleiben – auch wenn von diesen die wichtigen Impulse ausgehen werden.  Flankiert von Maßnahmen in der Umgestaltung des öffentlichen Verkehrsraumes (u.a. Rückbau nicht mehr benötigter Verkehrsflächen, Aufwertung/Neugestaltung der Randzonen, insbesondere der Fußwege) geht es dort um die Etablierung eines standortbezogenen Marketingkonzeptes. Zu diskutieren wäre die Etablierung eines „Business Improvement Districts“ oder eines vergleichbaren Modells zu Verknüpfung von privatem und öffentlichem Engagement in der Aufwertung des Zentrums.

Die Stadt in der Landschaft

Stadt- und Landschaftsraum werden in eine spannungsvolle Beziehung zueinander gesetzt. Hier wird vor allem die Badener Straße ihrer Rückgratfunktion gerecht werden müssen. Sie vermittelt zwischen der Weinberglandschaft im Osten und den eher städtisch geprägten Arealen im Westen. Landschaft und Stadt finden zueinander. Ihren sichtbaren Ausdruck findet dies in der Ausbildung der Bad- und des Schlossplatzes wie in der stadträumlichen und gestalterischen Thematisierung der Ränder des Straßenraumes. Im östlichen Straßenverlauf geht es vor allem um die Heranführung der Grün- und Parkanlagen bis an die Straßenraum, um die Gestaltung einer „weichen“, der Topografie angepaßten Raumkante. Hingegen trägt die westliche Raumkante einen eher städtischen Charakter, der durch städtebaulich/gestalterische Maßnahmen weiter gestützt und profiliert werden soll.

Vorhandene Wegebeziehungen zwischen der Weinberglandschaft im Osten und wichtigen städtischen Nutzungsbausteine im Westen (Bahnhof, Kulturareal der Kammgarnfabrik, Schloss- und Schlosspark) werden mittels gestalterischer „Brückenschläge“ im Straßenverlauf akzentuiert. Von herausragender Bedeutung ist dabei die Anbindung des Kirchenplatzes an das Zentrum Bad Vöslaus. Aufgrund der besonderen topografischen Situation wird eine Treppenanlage mit eingeschobenen Zwischenpodesten zur abwechslungsreichen Wegeverbindung zwischen der Stadt und den angrenzenden Naherholungsbereichen.

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