Perspektive Aachen-Brand Stadtteilrahmenplanung
Aachen 2009

Stadtteilrahmenplanung

Gelegen im südöstlichen Teil des Aachener Stadtgebietes grenzt der Stadtteil Brand an das Vorgelände des Hohen Venns an. Zentrales Rückgrat des Stadtteiles ist die Trierer Straße, eine vierspurige Hauptverkehrsstraße. Mit ihrer Verkehrsbelastung von 37.000 Fahrzeugen pro Tag teilt die Trierer Straße den Stadtteil in zwei Hälften und ist gleichzeitig wichtigste Einkaufsstraße in Brand. Mit einer Vielzahl an Einzelhandelsgeschäften hat sich hier ein Einkaufs- und Dienstleistungszentrum mit breitgefächerter Infrastruktur etabliert, dessen Einzugsbereich auch die angrenzenden Bezirke des Aachener Südraumes wie Kornelimünster, Walheim und Oberforstbach umfasst. Unverkennbar ist allerdings auch der Trend vermehrter Leerstände von Geschäftslagen - deutliches Zeichen des Strukturwandels im Einzelhandel und auch Indiz für einen drohenden Bedeutungsverlust des Stadtteiles als Versorgungszentrum.

Fehlende Aufenthaltsqualitäten entlang der Trierer Straße oder auch die von Geschäftsleuten Beklagten, unzureichenden Parkmöglichkeiten sind dabei sicherlich nur zwei Aspekte, die diesen Trend verursachen. Die wesentlichen Ursachen begründen sich in den Konzentrationsprozessen im Einzelhandel und den Veränderungen im Einkaufsverhalten der Kunden. Tatenloses Zusehen wäre jedoch ein falscher Ratgeber. Es muss gelingen, das Profil der Trierer Straße als Einkaufsstraße neu zu justieren. Der anstehende Umbau kann da eine ganz besondere Impulskraft entwickeln. Mit dem Ausbau der Fahrrad- und Fußwege, weiteren Parkmöglichkeiten und straßenbegleitenden Baumpflanzungen wird der Stadtraum einen neuen Charakter erhalten, mit dem auch die Attraktivität als Einkaufsstraße gesteigert werden kann.

Neben der Trierer Straße als Versorgungszentrum gilt vor allem der Marktplatz mit seinem Umfeld als das Zentrum des Stadtteils. Auch hier besteht Handlungsbedarf. Vor allem mit Blick auf die Gestaltung und Nutzung der öffentlichen Räume.

Der Stadtteil Brand ist ein ausgezeichneter Wohnstandort im Aachener Süden. Die Nähe zu attraktiven Landschafts- und Naturräumen und die gute Anbindung an das Autobahnnetz machen die stadtnahe Lage Brands interessant für junge Familien. Eine familienfreundliche Infrastruktur mit Kindergärten, Schulen, Sportvereinen, großzügige Spielplätzen, eine Schwimmhalle - und ein großes Freizeitangebot im unmittelbaren Lebensumfeld werden daher auch als Markenzeichen Brander Wohnqualität und Gemeinschaftslebens betrachtet. Die Erschließung neuer Wohngebiete und der Druck auf die Ausweisung weiterer Wohngebiete unterstreicht die hohe Bedeutung des Stadtbezirks als Zuzugsgebiet. Doch auch hier befinden sich die Anforderungen in einem Prozess des Wandels. Die Bewohner werden älter, aus Kindern werden Jugendliche und Erwachsene, die eigene Familien gründen und nach neuen Wohnstandorten Ausschau halten. Mit zunehmendem Alter ändern sich auch die Anforderungen an das Wohn- und Lebensumfeld. Wohnortnahe Versorgungsmöglichkeiten oder auch eine auf das Alter abgestimmte Infrastrukturausstattung gewinnen an Bedeutung. Der demografischen Wandel mit seinen tiefgreifenden Verschiebungen in der Altersstruktur der Bevölkerung erfordert bereits heute ein vorausschauendes Handeln, will Brand auch künftig seine hohe Bedeutung als attraktiven Wohnstandort wahren.

Neben seiner Bedeutung als Wohnstandort ist Brand auch ein bedeutender, kleinteilig strukturierter Wirtschaftsstandort in Aachen. Vor allem der Entwicklung des Camp Pirotte wird aus städtischer wie aus stadtteilbezogener Sicht ein hoher Stellenwert beigemessen. Zentrale Fragen gelten vor allem der stadträumlichen Einbindung und der Erschließung des gewerblichen Standortes.

In der Außenwahrnehmung ist das Image Brands stark von der Durchfahrtssituation der Trierer Straße, aber auch von einer vielfältigen Kultur- und Naturlandschaft geprägt. Gerade der außerordentliche Erholungs- und Freizeitwert der Landschaft ist ein ganz besonderes Qualitätsmerkmal des Stadtteils, das es zukunftsorientiert zu nutzen gilt. Dies stellt hohe Anforderungen an die Vernetzung des Stadtteiles mit den umliegenden Freiräumen - aber gleichzeitig auch an einen behutsamen Umgang mit potenziellen Entwicklungsflächen.

Ingesamt steht die Entwicklung Brands vor einigen zentralen Herausforderungen, die es mittels einer integrierten stadtteilbezogenen Entwicklungskonzeption zu koordinieren und aufeinander abzustimmen gilt:

  • Anpassung der Siedlungsstruktur an die Erfordernisse der Entwicklung von Bevölkerung und Wirtschaft,
  • Stärkung der innerörtlichen Bereiche entlang der Trierer Straße und des Marktplatzes;
  • Behutsame Entwicklung zusätzlicher Wohnbauflächenpotenziale im Innenbereich des Stadtteiles
  • Entwicklung und Vernetzung des Stadtteils mit den umliegenden Landschafts- und Naturräumen

Diese Herausforderungen und Zukunftsaufgaben können nur in einem integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept adäquat beantwortet werden. Um dieses von Beginn an auf eine breite konsensfähige Basis zu stellen, soll es in engem Dialog mit Bewohnerinnen und Bewohnern sowie mit den wichtigen Akteuren vor Ort erarbeitet werden.

 

Integriertes Handlungskonzept

Das zu erarbeitende städtebauliche Entwicklungskonzept bildet den informellen Rahmen für die künftige Stadtteilentwicklung und damit für notwendige Strategien, Projekte, Maßnahmen und Prioritätensetzungen. Als integriertes Handlungskonzept hat das städtebauliche Entwicklungskonzept vom Grundsatz her sowohl Maßnahmen und Handlungsanweisungen auf Stadtteilebene aufzuzeigen, wie auch Detaillösungen für kleinräumige Handlungsbereiche darzulegen. Bereits von Anfang an soll es Ziel des städtebaulichen Entwicklungskonzeptes sein, eine Perspektive für Brand zu entwicklen, die notwendigen Prozesse für den langfristig angelegte Entwicklungs- und Profilbildungsprozess aufzuzeigen und zu strukturieren. Dabei sind die im Aufbau bzw. in der Umsetzung befindlichen Maßnahmen und Projekte sinnvoll in das Konzept zu integrieren.

Im Ergebnis steht ein handlungsorientiertes, städtebauliches Entwicklungskonzept, das einerseits Handlungserfordernisse, Projekte und bauliche Maßnahmen definiert und in einem konkreten Umsetzungskonzept mündet sowie andererseits einen langfristigen Prozess strukturiert. Dabei wird es darauf ankommen, das Entwicklungskonzept modular, flexibel und fortschreibbar anzulegen.

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